Benefiz Budo-Seminar „Von Mensch zu Mensch“ aus Sicht einer Teilnehmerin

Am 30.10.21 läutete der warme Klang eines japanischen Gongs den Beginn des Lehrgangswochenendes in Penzberg ein. Über 90 Teilnehmer*innen waren hierfür aus der Schweiz, Belgien und verschiedenen Ecken Deutschlands angereist. Der Erlös des Seminars, bei dem die Referenten auf ihre Lehrgangsgebühren und Fahrtkosten verzichten,  wurde für KinderKrebshilfe gespendet.

Die Idee für den Benefizlehrgang geht auf die „Fight for Life“ Seminare (2010 in Australien, 2012 u. a. in Penzberg) zurück. Hintergrund war die schwere Erkrankung von Wendy Caroll, einer australische Kampfkünstlerin und Freundin des Penzberger Dojo. Kurz vor dem zweiten „Fight for Life“ Seminar verlor sie ihren Kampf gegen den Krebs. Seitdem finden die „Von Mensch zu Mensch“ Lehrgänge an jährlich wechselnden Austragungsorten in Deutschland statt.

Nach der Begrüßung ging es direkt los, denn es gab viel zu tun. Bei der großen Auswahl fiel die Entscheidung, welche Einheiten man besuchen sollte, nicht leicht und es gab überall viel zu lernen.

Für Karate Do standen gleich drei Referenten zur Verfügung. Unter der Leitung von Renshi Josef Holzmann wurden Kata-Sequenzen und Grundschultechniken mal ohne mal mit Partner*in geübt. Der dabei eingesetzte Kiai (d. h. Kampfschrei) ließ die ganze Halle erzittern. Doch immer nur mit Fäusten zu agieren sei so brutal, erklärte Renshi Josef Holzmann lächelnd und zeigte den Interessent*innen, wie man sich genauso effektiv mit offenen Händen verteidigen kann. Bei Shihan Thomas Moser gab es für den Angreifer sozusagen „zwei zum Preis von einem“. Denn richtig eingesetzt kann ein Passivblock gleichzeitig als Block und Schlag mit dem Ellenbogen verwendet werden. Zusätzlich wurde auch hier die Verteidigung mit offenen Händen geübt. Shihan Michael Schwindel zeigte mittels verschiedener Partnerübungen die Abwehr von Faustangriffen sowie einer Handumklammerung.

Die Grenzen zwischen Karate und Jiu-Jitsu sind durchaus fließend. So thematisierte auch Renshi Karlheinz Hauswurz die Verteidigung gegen kurze, schnelle Faustangriffe. Außerdem lehrte er die Abwehr mit Stock und – ebenso wie Shihan Rudolf Gabert – die Verteidigung gegen Würgeangriffe. Shihan Rudolf Gabert hob außerdem die Wichtigkeit und vielseitige Einsetzbarkeit von Atemitechniken hervor.

Neben Jiu-Jitsu stand Shihan Rudolf Gabert auch für Einheiten in Judo-Do und Ido zur Verfügung. Bei letzterem stehen Bewegungsfluss und das harmonische Miteinander mit dem Partner oder der Partnerin im Vordergrund. In Judo-Do wurden mehrere Würfe mit passenden Vorübungen, die ein wenig akrobatisches Geschick erforderten, trainiert. Mal mehr, mal weniger elegant, immer aber mit viel Spaß und Eifer wurde versucht auf den Oberschenkeln des Partners zu sitzen oder zu stehen.

Auch im Judo, gelehrt von Shihan Yves Ramaeckers aus Belgien, wurde viel geworfen. In passenden Vorübungen wurde Fallschule trainiert oder versucht mehrere Partner*innen auf einmal auszuheben. Außerdem zeigte Shihan Yves Ramaekers verschiedene Würgetechniken.

Mit dem ihm eigenen Humor unterrichtete Shihan Thomas Moser, die Verteidigung gegen Handumklammerungen und Würgeangriffe im Aikido. Es ging darum die Techniken „ganz locker“ zu machen, um mit minimalem Aufwand das maximale Ergebnis zu erzielen. Auch Shihan Wolfgang Wimmer nutzte dieses Aikido-Prinzip, um die Verteidigung gegen Faustangriffe mit vielen Hebeln und fließenden Bewegungen zu schulen. Shihan Michael Schwindel ging neben der Abwehr von Messerangriffen und Handumklammerungen ebenfalls auf Techniken gegen Faustangriffe ein. Dabei wurden Reaktionen des Partners auf die Verteidigung miteinbezogen und ausgenutzt, um in verschiedene Hebelsituationen zu gelangen.

Immer wieder war das laute Klackern von Arnis-Stöcken zu vernehmen. In den Einheiten von Renshi Karlheinz Hauswurz wurden Grundschläge, Blöcke und Entwaffnungstechniken geübt, es wurde zudem versucht, sich Schlagserien mit Partner*in einzuprägen und auch Macheten wurden geschwungen.

Ein etwas längerer Stock wird im Aiki-Jo verwendet. Shihan Wolfgang Wimmer unterrichtete hier Grundschläge und Formen mit Partner. Doch auch in kürzeren Distanzen ist der Jo eine effektive Waffe, wie Shihan Michael Schwindel den Interessent*innen beweisen konnte.

Im Iaido unterrichtete Shihan Thomas Moser Grundschnitte sowie das richtige Ziehen und Zurückstecken des Schwertes. Leichter gesagt als getan, denn der Teufel steckt hier definitiv im Detail und vor allen für Anfänger*innen gibt es unfassbar viel, dass man falsch machen kann. Eine noch größere Herausforderung stellten Shihan Wolfgang Wimmers Einheiten da. Hier wurden insgesamt sechs Shin Gi Tai Katas gelehrt.

Man sieht: es gab viel zu lernen und alle Referenten konnten das Seminar mit ihrem individuellen Lehrstil bereichern.

Am Ende des ersten Lehrgangstages traf man sich zum traditionellen Dinner in Antdorf. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden Shihan Norman Goly , Shihan Günther Engelhard und Shihan Yves Ramaeckers für ihr Engagement bei der Verbreitung der Kampfkünste der Yuri-no-Hana-Hatamoto-Orden (höchste Auszeichnung des VaK) verliehen. Um das gemeinsame Abendessen möglichst Corona-konform zu gestalten, fanden die meisten Ehrungen allerdings während des Seminars statt. Vom Dojo Penzberg wurde Shihan Rudolf Gabert zum Shichidan Karate-Do ernannt und Renshi Karlheinz Hauswurz der 6. DAN in Jiu-Jitsu mit Ehrengürtel verliehen. Andreas Rappich wurde die Ernennungsurkunde zum Sensei und der japanische Ehrentitel Tasshi überreicht.

Die Zeit verging wie im Flug und viel zu schnell war das Ende des Lehrgangs erreicht. Wo man auch hinsah, blickte man in erschöpfte, aber glückliche Gesichter und die Köpfe waren voller neuer Ideen. Deshalb ein großes Dankeschön an alle Referenten, Organisator*innen und Teilnehmer*innen!

Text:      Monika Schäfer

Bilder:   VaK