
„Kaktus mit Ente und der pinkelnde Hund“
Die verfrühten Eisheiligen machten gerade eine kleine Verschnaufpause, als sich 31 Penzberger Budoka am Freitag, den 10. Mai vor der Wellenbadhalle von ihren Lieben verabschiedeten, um gemeinsam mit einem Reisebus in die Schweiz aufzubrechen. „Dübendorf“ hieß das Ziel, was so manchen an Kühe, Almwiesen und rustikale Holzhütten denken ließ. Tja, weit gefehlt, Dübendorf ist ein Vorort von Zürich und war dieses Jahr Austragungsort des Internationalen Kampfkunstlehrgangs „Budo Sai“.
Der Busfahrer schaukelte also 18 Erwachsene,13 Jugendliche, jede Menge Ausrüstung und vor allem Verpflegung durchs schöne Voralpenland, am Bodensee vorbei in die Schweiz. Warum so viel Verpflegung? Haben die Schweizer nichts Essbares im Land? Doch, sogar so viel, dass sie es verkaufen, aber zu Schweizer Preisen – einerseits. Andererseits lieferte man viereinhalb Stunden später die Jugend sowie fünf erwachsene Übungsleiter an der Halle ab. Sie bezogen ihr Quartier im Luftschutzbunker unter unserem Trainingsort. Soll sehr gemütlich gewesen sein, wenn man auf Tageslicht und heiße Duschen verzichten kann und gerne „im Regal“ schläft. Hierfür war eigene Verpflegung natürlich von Nöten.
Die anderen Teilnehmer hingegen stiegen recht feudal (und zu Schweizer Preisen) im Wellnesshotel Sonnental ab. Ein kurzes Meet-and-Greet mit einigen Teilnehmern aus den anderen Vereinen und ein gemütlicher Ausklang des Abends waren der Auftakt zu einem fulminanten Seminartag am Samstag. Beim Frühstück allerdings machte eine verstörende Nachricht die Runde: „Mir ham fei übrigens koane Matt‘n.“, ließ Thomas Moser zwischen Rührei und Obstsalat verlauten. Ungläubige Gesichter, dann Schulterzucken von Seiten der anderen Referenten, „Mei, dann müssen wir halt vorsichtig sein.“ Und auf ging‘s zur Halle.
Hier studierten nun alle den umfangreichen Ablaufplan. Was da wieder alles geboten war!
Jiu-Jitsu, Karate Do, Tae Kwon Do, Aikido, Judo, Aiki-Jitsu, Hanbo-Jitsu, Iaido, Kyusho-Jitsu und Yoga. Nach der Begrüßung, der Vorstellung der Referenten* durch Wolfgang Wimmer und dem Angrüßen zeigte der gastgebende Verein eine ausgesprochen vielseitige und synchron gelaufene Kata. Danach verteilten sich die etwa 160 Teilnehmer schnell auf der Betonfläche der Halle in vier Bereiche. Ja, gestrichener Beton, kein Schwingboden! Schweizer Luxus à la „nur die Harten kommen in den Garten“. Aber es war schlussendlich tatsächlich kein Problem, denn alle trainierten so rücksichtsvoll, dass abgesehen von ein paar blauen Flecken und einem bunten Daumen niemand zu Schaden kam.
Beim Dinner, das am Samstagabend stattfand, sprachen diejenigen, die Yoga mitgemacht hatten, auf einmal von „Kaktus mit Ente“. Was? Am Buffet oder was? „Nein, Kaktus geht so“, erklärte Sven daraufhin (beide Hände wandern wie bei „Hände hoch“ neben die Ohren) „…und dann kommt die Ente dazu.“ (der Po wird nach hinten gestreckt). Beate Brauer redete ebenso mit ihren Schülern, dass sie es verstehen – und auch nie wieder vergessen.
Das Dinner war gut und vor allem reichlich. Die Penzberger Gruppe verfolgte vom sehr warmen Balkon die zahlreichen Ehrungen und Jubiläen. Darunter waren auch zu ihrer eigenen Überraschung Max Schröger und Michael Lindinger, die je eine Urkunde zu ihrem 25-jährigen Budo-Jubiläum bekamen. Aber noch einer aus unseren Reihen konnte an diesem Abend auf eine sehr bemerkenswerte, unglaubliche Budo-Zeit zurückblicken. Unser Hanshi Rudolf Gabert feiert in diesem Jahr sein 50jähriges Budo-Jubiläum und darauf sind natürlich auch seine Penzberger Schüler besonders stolz, da sie alle aus seiner Erfahrung schöpfen dürfen. Und dann gaben wir noch ein Lied zum Besten: ?Happy Birthday to you! ?, weil unser Renshi Josef Holzmann doch tatsächlich an seinem Geburtstag mit zu dem Lehrgang gefahren war!
Mit dem Bus ging es gegen 22:30 erst zurück zum Hotel, dann weiter zum Bunker und am nächsten Morgen wieder zur Halle. Routiniert absolvierten die Teilnehmer die letzten drei Einheiten. Yoga war hierbei mit Abstand am besten besucht und dieses Mal verlangte Beate den „pinkelnden Hund mit Abschütteln“, was wiederum Sven, unseren neuen Yoga Aficionado, vor Lachen beinahe wirklich vorneüber kippen ließ. Vorneüber kippten dann am Schluss auch die Jiu-Ka bei Verteidigungstechniken aus der Bodenlage, eine der letzten Einheiten vor der kurz gehaltenen Verabschiedung und dem Abgrüßen, wieder mit einer meisterlich vorgeführten Kata der Schweizer.
Dann kurze Katzenwäsche oder Dusche in der Halle und heim ging es fröhlich mit unserem ungewöhnlich netten Busfahrer Slavko, der sogar die Yoga-Einheit mitgemacht hatte! In der Schweiz gestartet bei Sonnenschein und 15°C sahen wir dem Thermometer beim Fallen zu und erreichten Penzberg müde und glücklich bei 4°C im Regen. Die Stimmung war dabei nicht mit den Temperaturen gesunken und wir werden die vielen neuen Eindrücke im Training und in den anstehenden Prüfungen sicher gewinnbringend verarbeiten.
* Die Referenten waren im Einzelnen:
- Aikido: Hanshi Pietro Paterna, Tasshi Michael Schwindel,
- Aiki-Jitsu: Kyoshi Thomas Moser
- Hanbo-Jitsu: Kyoshi Michael Brauer
- Iaido: Kyoshi Wolfgang Wimmer, Kyoshi Patrice Merckel, Kyoshi Thomas Moser, Tasshi Myriam Dimayuga
- Judo: Hanshi Yves Ramaekers,
- Jiu-Jitsu: Hanshi Rudolf Gabert, Kyoshi Wolfgang Wimmer, Kyoshi Michael Brauer, Renshi John Lawton, Renshi Nigel Tew,
- Karate Do: Kyoshi Patrice Merckel, Kyoshi Rolf Gerisch, Kyoshi Alexander Neidhart, Hanshi Roland Mötteli,
- Kyusho-Jitsu: Renshi Norman Goly
- Yoga: Tasshi Beate Brauer








Text: Lydia Cordes
Bilder: JJKSP